Gesunde Tiere – Gesunde Menschen – Gesunde Umwelt

Wasser ist Leben

Bonny Wilkinson, 07.12.2011

Heute fahren wir ans Duma Borloch. Es ist ein weiterer staubiger Tag und die Strasse führt aus Merti raus, vorbei am Dorf wo wir gestern der Schlachtung beigewohnt haben und raus in eine der beeindruckendsten Landschaften. Die Erde ist flach soweit das Auge reicht und es gibt kaum Vegetation. Die Wüste. Entlang der Strasse sehen wir immer wieder Herden von Kamelen, Ziegen und Kühen, geführt von ihren Hirten. Sie sind wie eine Fata Morgana, eine eigenartige Erscheinung am Horizont, unscharf durch den vielen Sand in der Luft.

 
Nach etwa zwei Stunden auf der holprigen Strasse treffen wir plötzlich an der Duma Wasserstelle ein. Eine Ansammlung von Mensch und Tier unter ein paar trockenen Bäumen, alle auf der Suche nach Wasser. Dieser Ort fühlt sich unheimlich an; so stelle ich mir die Stimmung kurz vor dem Weltuntergang vor. Ich spüre die Dürre richtiggehend unter meiner Haut – und ich bin nicht die 60 Kilometer fast ohne Wasser durch die Nacht gelaufen. Wir gehen ein bisschen rum, lassen diesen Ort auf uns wirken. Rechts von uns wartet eine Gruppe Kamelen, ein bisschen ab von den Tränken. Dahinter erstreckt sich die Wüste, die einst Weideland war, und überall Tierkadaver. Es sind jene die zu spät oder zu schwach am Wasserloch angelangt sind.
 
Ich treffe Diba, den Gemeindevorsteher. Er erzählt mir, dass diese Wasserstelle 17‘436 registrierte Tiere bedient; das sind ungefähr 631 Haushalte. Es gibt einen Trinkplan damit nicht alle Tiere auf einmal ankommen. Das Borloch hat zwei Pumpen die ununterbrochen in Einsatz sind und es ist nicht ungewöhnlich, dass eine davon ausfällt. Sie überhitzen leicht bei der hohen Nachfrage an Wasser. Es ist schwierig, Ersatzteile für die Pumpen zu finden; diese müssen aus Isiolo oder Meru gebracht werden, hunderte Kilometer entfernt. Und am Duma Borloch gibt es keine Kommunikationsverbindungen mit der Aussenwelt, kein Mobilfunknetz, keine Funkgeräte, nichts. Wenn es ein Problem gibt muss jemand mit dem Motorrad die zwei Stunden bis nach Merti fahren um Hilfe anzufordern. In einer Leben und Tod Situation wie dieser ist dies ein langer Weg.
 
Währenddessen kommen immer wieder Tiere ans Wasserloch. Herden von Ziegen kommen aus dem Busch gerannt, sie blöken vor Aufregung, oder vielleicht aus Schmerz vom Durst. Man kann sehen, welche Tiere schwach sind, sie kommen am Schluss und viele von ihnen haben keine Kraft mehr zu rennen. Es bricht mir das Herz diese Tiere so verzweifelt zu sehen. Bei den Kühen ist es nicht anders, sie traben auf die Tröge zu, muhend.
 
Ich realisiere einmal mehr wie wichtig die Interventionen von VSF-Suisse sind. Wir helfen den Menschen neue Trinktröge zu bauen un ddie bestehenden instand zu halten. Wasser ist Leben. Hier noch mehr als anderswo.
 
Zusammen mit einem Tierarzt von VSF-Suisse gehe ich durch die ruhenden Kühe. Er ist hier um die Tiergesundheit zu überwachen. Im Falle eines Ausbruchs einer Epidemie kann sofort gehandelt werden. Die Augen der Kühe erscheinen mir hohl und bedrückt; ich habe das Gefühl, dass sie wissen, dass sie vielleicht bald sterben. Wir treffen Ibrahim Diba der seine Kühe melkt. Er trägt einen Kübel mit einem knappen Liter Milch drin. „Das ist die Milch von 7 oder 8 Kühen“ erzählt er uns. Das Ausmass der Tragödie für die Viehhüter wird klarer mit je mehr Menschen wir sprechen.
 
Der Preis um eine Kuh zu tränken ist 2Ksh, 1Ksh für die kleinen Wiederkäuer, und 7Ksh für ein Kamel. Die Esel bezahlen nicht, da sie das Wasser zu den Frauen, Kindern und Kälbern zurücktragen.
 
Auf dem Rückweg von Duma fahren wir abermals durch diese raue und doch wunderschöne Landschaft. Auf einmal tauchen Giraffen zwischen den Akazien auf – und es fühlt sich einen kurzen Moment an als wären wir auf Safari... doch die harte Realität Dumas, und die surreale Atmosphäre um dieses Wasserloch holen mich schnell wieder ein. Eins ist sicher: die Arbeit von VSF-Suisse ist untentbehrlich. Sie muss weiterbestehen.
 
Bonny Wilkinson, Duma, September 2011
 
 
Tags: Dürre  Kamele  Kühe  VSF-Suisse  Wasser  Ziegen 
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