Gesunde Tiere – Gesunde Menschen – Gesunde Umwelt

Ein Vormittag unter Kamelen

Bonny Wilkinson, 07.12.2011

 

Ich bin groggy als ich morgens um vier aus dem Bett krieche, mir ein paar Kleider überziehe und meine Taschen packe. Draussen heult der Wind und eine kühle Brise bläst durchs Fenster. Um punkt fünf fahren wir in Isiolo los. Während wir darauf warten, dass das zweite Auto Aden Ali Muhamed und Omar Hassan, die beiden Männer deren Kamele wir heute Morgen besuchen, abholt, stehen wir unter dem endlosen Sternenhimmel und knabbern an unseren harten Eiern und Chapatti.
 
Aden Ali Muhamed ist das einzige männliche Mitglied der Anolei Women’s Cooperative, die Frauengruppe die mit Hilfe von VSF-Suisse den Kamelmilchhandel kommerzialisiert haben. Die Milchkollektion in und um Isiolo findet nun organisiert statt und die Frauengruppe schickt die Milch anschliessend in grossen Mengen per Bus nach Nairobi wo sie auf dem Markt verkauft wird. Omar Hassan ist der Vorsitzende des Kamelvereins.
 
Als wir unsere Fahrt fortsetzen dämmert es langsam und die Formen der Bäume und Berge heben sich vom rosaroten Horizont ab. Nach einer gefühlten Ewigkeit holpriger Fahrt über die sandigen, staubigen Strassen riechen wir plötzlich die Kamele. Dann sehen wir sie in der Entfernung: weisse Formen zwischen den Bäumen. Als wir soweit gefahren sind wie das Auto uns trägt steigen wir aus und werden sofort von der Hitze umhüllt. Es ist noch nicht einmal neun Uhr. Nach einer kurzen Begrüssung gehen wir das letzte Stück zu Fuss, durch ausgetrocknete Flussläufe Richtung Kamelkral. Wir hören die Kamele singen und ich habe noch nie so ein Geräusch gehört: ein sonderbarer Klang, wie aus einer andern Welt, und trotzdem warm und herzlich. Ein Klang der unter die Haut geht.
 
Jemand zieht ein paar Dornenäste welche als Zaun dienen zur Seite und plötzlich stehen wir mitten in der Kamelherde. Es sind sonderbare Kreaturen und wir winden uns durch ihre Beine, erst zögerlich und ein bisschen ängstlich. Das erste Mal, als eines der Kamele mich unerwartet im Nacken schnüffelt, fahre ich zusammen. Aber je mehr Zeit ich zwischen diesen majestätischen Tieren verbringe, desto mehr wachsen sie mir ans Herz. Sie sind zärtlich und neugierig und wir sehen wie sehr die Kamele und ihre Hüter miteinander verbunden sind.
 
Es gibt 99 Kamele in Omar Hassans Herde, die meisten davon weiblich. Als wir ankommen liegen die meisten Tiere am Boden. Nach einer Weile fängt der Hirte, Hassan, die Stuten an zu melken. Dafür lässt er ein Kalb nach dem andern aus der separaten Umzäunung. Das Kalb geht zu seiner Mutter und fängt an zu trinken. Sobald die Milch fliesst, kreuzt Hassan ein Bein übers andere, balanciert einen Kübel darauf und auf einem Beim melkt er die Stute während das Kalb gleichzeitig trinkt. Als er fertig ist bindet er zwei der vier Zitzen ab; diese sind für die Menschen reserviert. Die andern beiden bleiben offen damit das Kalb tagsüber trinken kann. Die frische Milch wird anschliessend in einen Kanister abgefüllt; diese werden später den Frauen der Anolei Women’s Cooperative übergeben wo sie für den Bustransport und anschliessenden Verkauf auf dem Eastleigh Markt in Nairobi aufbereitet wird. Dank VSF-Suisse können die Mitglieder der Gemeinde mit ihrer Kamelmilch ein Zusatzeinkommen erzielen. Kamele sind den klimatischen Bedingungen ausserdem besser angepasst als Schafe oder Ziegen. Ein wichtiges Projekt. Aber es gibt auch noch andere Mittel um der Dürre standzuhalten und eines davon werde ich Ihnen in meinem nächsten Bericht zeigen. Wir werden einen Schlachthof besuchen.
 
Lesen hier den ersten Eintrag von Bonny Wilkinson's Reisetagebuch...
 
Tags: Dürre  Kamele  Kenia  Milch  VSF-Suisse 
Kategorien:

Einen Kommentar schreiben

Name* Email*
Kommentar*

Spenden

Jede Spende zählt! Ein riesiges Danke!

Online-Spenden: bitte hier klicken

Für Banküberweisungen: 

Vereinskonto: 30-24633-4
IBAN: CH78 0900 0000 3002 4633 4

 

 

 

Newsletter

Abonnieren Sie unseren Newsletter und bleiben Sie informiert über die Arbeit von VSF-Suisse