Gesunde Tiere – Gesunde Menschen – Gesunde Umwelt

Im Einsatz bei den Nomaden in Äthiopien: Aufs Neue von der Dürre bedroht!

VSF- Suisse, 22.10.2015

 

 

Nicole Litschgi ist die Westafrika- und Äthiopienveranwortliche von Vétérinaires Sans Frontières Suisse. Im Sommer verbrachte sie mehrere Wochen in Äthiopien und besuchte die regionalen Büros von VSF-Suisse in Addis Abeba, Gode und Moyale. Sie hat viel gesehen, erlebt und gelernt. Einen Reisebericht in Stichworten sowie eine ausführlichere Beschreibung der Hauptrisiken, die sich aufgrund der Dürre ergeben, können sie hier lesen. Schlagen Sie auch im SAT | ASMV von November nach: Hier.

 

Äthiopische Verwaltung in Kürze: Kebeles, Woredas, Zonen, Regionen


Familien und Nachbarn leben in kleinen administrativen Einheiten namens Kebeles zusammen. Mehrere Kebeles bilden eine Woreda. Mehrere Woredas bilden eine Zone. Mehrere Zonen bilden eine Region, wie zum Beispiel die Somali-Region (nicht zu verwechseln mit dem Staat Somalia oder der Region Somaliland im Norden Somalias).


9 Regionen gibt es in Äthiopien insgesamt. Damit kommt das Land auf knapp 97 Millionen Einwohner, also fast 12 Mal so viele, wie in der Schweiz leben.


Die Somali-Region liegt im Osten des Landes. Sie besteht aus 9 Zonen, die man sich in etwa wie Schweizer Kantone vorstellen kann – nur mit viel mehr Menschen. 5,3 Millionen Leute leben dort.

 

Die äthiopische Somali-Region


Jijiga


In der Jijiga-Zone liegt die Hauptstadt der Somali-Region: das gleichnamige Jijiga. Dort gibt es übrigens eine Universität, die eine Nord-/Süd-Partnerschaft mit dem Tropen- und Public Health-Institut der Universität Basel (Swiss TPH) hat!


Gode


In der Gode-Zone befindet sich die ehemalige Hauptstadt der Somali-Region, die ebenfalls Gode heisst. Die Zone selbst ist von Wüste geprägt und zeichnet jenes Bild Äthiopiens, das man häufig in den Medien sieht: Weitläufig, karg und trocken.


Siti: Dürre auf dem Vormarsch


Der nördlichste Teil der Somali-Region heisst Siti-Zone (vormals Shinile-Zone). Dort herrscht derzeit wieder eine lang anhaltende Dürre. Die Nomaden werden täglich auf eine harte Probe gestellt. Ihre Nutztiere, häufig die einzige Nahrungsquelle, sterben; Wasser ist rar.  Die nächste Regenzeit wird erst im Frühling 2016 erwartet. Derzeit werden von VSF-Suisse Interventionen im Rahmen der Nothilfe in Angriff genommen, die nunmehr auch von der Glückskette unterstützt werden.


Moyale: Eine Stadt in zwei Staaten


Die Stadt Moyale, die sich in der Moyale-Woreda ein wenig ausserhalb der Somali-Region befindet, ist ein spezieller Fall: Sie liegt zur einen Hälfte in Äthiopien, zur anderen Hälfte in Kenia. Da VSF- Suisse sowohl in Äthiopien als auch in Kenia in der Entwicklungszusammenarbeit tätig ist, erklärt sich ein Büro-Standort in der geteilten Stadt von selbst. Dort gibt es ein stabiles Feldteam, das kontinuierlich Projekte im Bereich der Dürreresistenz, Katastrophenvorsorge sowie grenzübergreifenden Kooperation durchführt.

 

Von Addis Abeba über Jijiga nach Gode und zurück


Nicole verbrachte zuerst einige Tage in Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba. Dort besuchte sie das Landesbüro von VSF-Suisse. Sie führte Feldforschungen für ihre Master-Arbeit in Public Health durch. Danach fuhr sie ins über 600 Kilometer entfernte Jijiga. Nach einem ganzen Tag Autofahrt durch Äthiopiens bunte Landschaft war sie endlich in der Somali-Region angelangt.

 

Kamele gegen die Dürre in der Siti-Zone


Da Jijiga sehr nahe an der Siti-Zone liegt, konnte sich Nicole umfassend über die dort herrschende Dürre informieren: Normalerweise gibt es jedes Jahr zwei Haupt-Regenzeiten. Diese sind unbedingt nötig, um die Gräser und Büsche ausreichend zu wässern. Wenn die Pflanzen nun wegen Regenausfalls nicht genügend wachsen können, haben die Nutztiere der Nomaden zu wenig Nahrung!


Dies ist leider das, was im letzten Jahr passiert ist: Es regnete zu wenig. Die Tiere hatten zu wenig zu essen, und nun haben die Nomaden zu wenige Nutztiere übrig, um sich ausgewogen ernähren zu können. Was kann man dagegen tun?


Damit es nicht zu Mangelernährung kommt, engagiert sich VSF-Suisse im Rahmen der Nothilfe: Die Feldmitarbeiter leisten direkte Nahrungsmittelhilfe und geben Essen sowie Vouchers ab. Damit ist zumindest die Ernährung der Menschen gesichert.


Der nächste Schritt in der Nothilfe wäre eine umfassende Fütterung der Nutztiere, damit diese so gesund als möglich sind. Denn nur gesunde Tiere können den Nomaden Milch und Fleisch geben und somit als Lebensgrundlage dienen. Welche Tiere eignen sich am besten hierfür?


Kamele**! Ein gesundes Kamel kann lange Zeit ohne Wasser auskommen, schwere Lasten über weite Strecken tragen, und… die Nomaden können sich von seinem Fleisch ausgewogen ernähren. Deshalb werden auch Kamele in Krisenzeiten verteilt.


**Auf Deutsch und Englisch spricht man von „Kamelen“ beziehungsweise „Camels“, aber in Wirklichkeit handelt es sich bei den verteilten Tieren um die sogenannten Arabischen Kamele: die Dromedare, welche nur einen Höcker haben. Der Einfachheit halber nennen wir sie hier aber weiterhin Kamele…

 

Frühe Erholung in der Gode-Zone


Nach ihrer Feldforschung in Jijiga reiste Nicole nach Gode weiter. Gode liegt knapp 600 Kilometer südlich von Jijiga, also verbrachte Nicole wieder einen ganzen Tag auf der Strasse.


In Gode werden derzeit kurzfristige Nothilfeprojekte betrieben, da sich das Gebiet in der Phase der frühen Erholung („Earlier Recovery“) befindet.


Vétérinaires Sans Frontières Suisse engagiert sich im Rahmen ernährungssensibler Viehzucht und Landwirtschaft („Nutrition Sensitive Livestock Intervention“, „Nutrition Sensitive Agriculture“) dafür, dass die Nomadenfamilien endlich wieder ausreichend zu essen haben. Wie wird das gemacht?


Ist eine Dürre im Anmarsch, sorgen unsere Feldmitarbeiter dafür, dass die Nutztierherden verkleinert werden, sodass die Nomaden nicht mehr so viele Tiere auf einmal versorgen müssen („Destocking“). Das heisst, den Nomaden werden Tiere abgekauft. Diese Tiere werden an Bedürftige verteilt. So wird für Ausgleich und Ernährung aller gesorgt.


Ist die Situation jedoch besser und es sind genügend Wasser und Weidepflanzen vorhanden, werden gesunde Milchgeissen an die Bevölkerung verteilt. Die Nomaden können sich dann von der Milch ernähren und auch mit den Geissen handeln. So können sie sich eine komplette Lebensgrundlage aufbauen!

 

Die Nomaden und ihre Nutztiere


In Äthiopien halten die Nomaden Kühe, Kamele, Esel, Geissen und Schafe. Die komplette Lebensgrundlage der Nomaden baut auf ihren Nutztieren auf. Wer gesunde Tiere hat, kann überleben. Er kann sich von ihren Produkten wie zum Beispiel Milch ernähren. Ausserdem kann er ein gesundes Tier verkaufen und sich von dem Geld weitere Nahrung kaufen. Die Nutztiere folgen den Nomaden auf ihrer Reise durchs Land und bleiben mit ihnen dort, wo sich genügend Wasserstellen und Weidepflanzen befinden.


Wie kann man die Nomaden am besten unterstützen? VSF-Suisse unterstützt die Nomaden in Einklang mit ihren Lebensmustern und Anschauungen. Die Projekte werden vor Ort umgesetzt, und es werden Menschen aus der Region dafür beschäftigt. Das Ziel ist, dass die Nomaden so leben können, wie sie es für richtig halten.

 

Gesunde Tiere – Gesunde Menschen


Das wichtigste sind gesunde Tiere, denn auf ihnen baut alles andere auf. Deshalb ist die Ausbildung von Laientierärzten so wichtig: Sie müssen Krankheiten rechtzeitig erkennen und behandeln können. Ausserdem ist es nötig, dass die Tiere geimpft und entwurmt werden.


Besonders der Impfung gegen die Pest der kleinen Wiederkäuer („PPR: Peste des petits ruminants“) wird in Zukunft eine wichtige Rolle zukommen. Wir freuen uns auf einen baldigen Start des Projekts gegen die PPR, das von Gode aus gesteuert werden soll. Was die PPR genau ist und wie die Schafe und Geissen dagegen geimpft werden können, lesen Sie nach Projektstart auf unserer Website: Hier. Also schauen Sie bald wieder vorbei! 
 

Text: Kerstin Köffel

Tags: Addis Abeba  Afrika  Äthiopien  Esel  Geissen  Gode  Jijiga  Kamele  Kühe  Milch  Nomaden  Nothilfe  PPR  Siti-Zone  Somali-Region  VSF-Suisse 
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